Weisheitszahnentfernung wegen Frontzahnengstand ist Unsinn

 
Das Papier britischer Kollegen über die Effektivität und Kosten/Nutzen Relation der prophylaktischen Entfernung von Weisheitszähnen ist aus dem Jahr 2000. Hier hat eine zahnärztliche Vordenkergruppe des britischen NHS (National Health Service = die öffentliche nationale Gesundheitsversorgung auf Staatskosten in England) intensiv alle zugänglichen Datenbanken abgefragt und nach konkreten Fallreihen von prophylaktischer Weisheitszahnentfernung gefahndet.

Gefunden wurden Arbeiten in den Datenbanken Medline, Embase, Science Citation Index, Cochrane Controlled Trials Register, National Research Register und der Database of Abstracts of Reviews of Effectivness. Für die Jahre 1984 bis 1999 wurden weltweit nur genau 2 RTC Studien (Randomisierte + kontrollierte Studien) gefunden, dazu 34 Übersichtsarbeiten und 4 Entscheidungs Analysen. Mit anderen Worten: im wirklichen Leben nachgeschaut hat die zahnmedizinische Wissenschaft bei diesem Thema bisher erst 2 mal richtig. Nur die RTC Studie ist ergebnisoffen. Und nur sie kann auch die Frage beantworten, ob eine Behandlungsweise Sinn macht oder nicht. Die 34 "Übersichtsarbeiten" (englisch: Reviews) sind in erster Linie warme Luft.

Also ist die Datenbasis in diesem Gebiet ausgesprochen schwach. Hier ist wieder ein klares Versäumnis der Akademiker zu sehen. Aus der einen britischen Studie geht hervor, dass die Entfernung von Weisheitszähnen zur Verhinderung von Frontzahnengständen nicht verantwortet werden kann. Das ist eine eindeutige Aussage.
Aus der einzigen anderen noch laufenden RTC Arbeit aus Dänemark mit 200 Teilnehmern ist bis jetzt bekannt, dass das Abwarten bei der Entscheidung, ob Weisheitszähne entfernt werden sollen, eine aussichtsreiche Strategie darstellt. Also ist die allgemeine Komplikationsrate beim Nichtentfernen von Weisheitszähnen leicht geringer als beim Entfernen.

Kommentar: warum werden solche Ergebnisse nicht veröffentlicht?

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