Die WSR (Wurzelspitzenresektion) ist noch schlechter als ihr Ruf

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Lesen Sie dazu auch die Artikel WSR Unfug, so läuft das wirklich  und Wurzelspitzen müssen bakterienfrei sein, Operationen sind unnütz

 

Ein Thema taucht in allen Zahnmedizin-Patienten-Foren immer wieder auf: die WSR. Das mag einerseits an der rustikalen Methode liegen, die bei den Patienten nachhaltigen Eindruck hinterläßt, aber sicher auch daran, dass die Indikation von den Behandlern großzügig gestellt wird. Berücksichtigt man die durchschnittliche Prognose einer WSR von 50%, stellt sich die Frage, ob hier das Skalpell nicht etwas zu unbekümmert eingesetzt wird. (Leider existieren nicht allzuviele belastbare Daten zur Frage, wie häufig die WSR im wirklichen Leben – also nicht unter Hochleistungsbedingungen – funktioniert).

Von den Kieferchirurgen ist ja schon lange bekannt, dass sie viele überwiesene WSR-Fälle am liebsten zurückschicken würden, weil die Voraussetzungen einfach nicht stimmen. Oft fehlt die Wurzelfüllung ganz, oder sie ist so bescheiden ausgeführt, dass eine Verbesserung der Situation durch eine WSR nicht wahrscheinlich ist. Trotzdem operieren einige Kieferchirurgen dann doch, um die künftigen Überweisungen des betreffenden Zahnarztes nicht zu gefährden.

Schon seit Jahrenden sagen die Endodontisten, also die Kanalarbeiter im engeren Sinne, dass die Wiederholung einer Wurzelbehandlung = Revision durch den normalen Zugang immer der Vorzug vor dem chirurgischen Verfahren gegeben werden sollte. Und sie belegen das auch mit Zahlen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine sorgfältig ausgeführte Revision die Entzündung an der Wurzelspitze zum Ausheilen bringt, liegt bei über 60%. Darüber müssen die Patienten vor dem operativen Eingriff in Kenntnis gesetzt werden, meine ich. Hier sind die Details.

5 Replies to “Die WSR (Wurzelspitzenresektion) ist noch schlechter als ihr Ruf”

  1. RE: Die WSR (Wurzelspitzenresektion) ist noch schlechter als ihr Ruf
    Hallo,
    habe mich gerade über WSR und Zysten auf dieser Seite informiert. Habe laut Röntgenbild und Tastbefund eine Bohnengroße Zyste am Unterkiefer mittig vorn, die sich über 3-4 Zähne streckt. Alle 4 Zähne haben den Vitalitätstest bestanden, keiner ist wurzelbehandelt. Der 2. von rechts ist bereits überkront.
    Habe bereits einen Termin zur Entfernung der Zyste beim Kieferchirurgen, der es aufschneiden will und dann mit regelmäßig auszutauschenden „Wattebäuschen “ füllen will.Gibt es eine andere Methode ohne op? An 2 weiteren Zähnen ist eine winzige Zyste zu sehen, diese sind leider mit viel zu kurzen Wurzelfüllungen versehen,dort soll eine WSR durchgeführt werden. Die Lücken will man dann ggf.mit „Kunststoffmasse“ausfüllen. Gibt es sinnvolle Alternativen ohne op, zumal ich keinerlei Schmerzen bislang habe.

  2. RE: Die WSR (Wurzelspitzenresektion) ist noch schlechter als ihr Ruf
    Hallo Vienna, die Unterkiefer Zyste würde ich erst mal mit einem digitalen Volumentomograf genauer darstellen, bevor da geschnippelt wird. Dann kann man immer noch entscheiden, was zu geschen hat. Eilig ist das nicht. Bei den Zähnen mit den zu kurzen Wurzelfüllungen ist die WSR ungeeignet. Da sollte revidiert werden.

    Viele Grüße Joachim Wagner

  3. Hallo und vielen Dank für die prompte Antwort.
    Wer trägt eigentlich die Kosten für die Untersuchung per Volumentomograf und für die Revision? Mit welchen Kosten muss ich in etwa rechnen? Was übernimmt die gesetzliche Krankenkasse?

    Viele Grüße Vienna

  4. RE: Die WSR (Wurzelspitzenresektion) ist noch schlechter als ihr Ruf
    Hallo Herr Wagner,
    mir wurde vor 9 Tagen wurde mir vorn mittig am Unterkiefer eine bohnengroße eitrige Zyste entfernt. Antibiotika verschrieben, das neben Magenschmerzen, Übelkeit und Kreislaufproblemen mir auch noch einen Pilzbelag auf die Zunge brachte. Das Antibiotikum wurde dann endlich nach 6 Tagen abgesetzt, womit die meisten Nebenwirkungen schlagratig verschwanden, bis auf den Pilz. Dagegen nehme ich nun Lutschtabletten.Ursache der Zystenbildung unbekannt. Wunde wurde teilweise mit Faden vernäht und ca. 4cm langes mit Medikament getränkter Streifen eingelegt, der nun 1x wöchentlich gewechselt werden muss,Option bis Ostern, was bei mir höllische Schmerzen verursacht hat..Auch das Ziehen des Fadens, der leicht angewachsen, schmerzte ebenso. Ich musste mir anhören, dass ich extrem schmerzempfindlich sei und es sei normal das dies schmerze. Na toll! Die Betäubungsspritze verursachte ebenfalls heftige Schmerzen und nützte nicht viel.
    Im Gegenteil, die nächsten 3 Stunden hatte ich davon Schmerzen.
    Mir graut schon vor dem nächsten Termin.
    Was kann ich tun um dem Schmerz zu entgehen oder andere Behandlungsmethode?
    Würde mich über eine Antwort freuen.
    Viele Grüße
    Vienna

  5. Antibiotika?
    Moin Moin,

    jetzt muss ich doch auch mal nachfragen.

    Kurze Vorgeschichte:
    36er wurde gerade überkront, war nicht ganz einfach, die Betäubung wollte nicht wirken, daher zweite Ladung. War nicht viel, aber immerhin besser und auszuhalten.
    Kurz darauf Schmerzen im linken Kiefergelenk/ -Muskel, anscheinend Entzündung im Muskel, habe dafür ein Schmerzmittel und Entzündungshemmer bekommen (Diclofenac).
    Soweit so gut, während alldem meldet sich nun der 24er mit pochenden, pulssynchronen Schmerzen und Klopf- u. Bissempfindlichkeit. 36 ist wurzelbehandelt.
    Das Röntgenbild lässt keine eindeutige Entzündung an der Wurzelspitze erkennen, daher wurde entschieden, zunächst eine Antibiotikabehandlung durchzuführen.
    Diese wurde gestern begonnen und scheint auch nun anzuschlagen, die (unerträglichen) Schmerzen sind verschwunden, leichte Berührungsempfindlichkeit noch vorhanden, aber gut, es scheint zu wirken.
    Sollte die medikamentöse Behandlung nicht anschlagen, so wurde eine WSR in Aussicht gestellt.
    Die Fragen:
    Wo auch immer man liest, eine Behandlung mit Antibiotika wird als aussichtslos dargestellt (genauso könne man auch versuchen eine Müllhalde zu parfümieren ;.) )
    Wie stehen in einem solch, vll. doch etwas speziellen Fall die Chancen?
    Kann es wirklich sowas wie ein „kollaterales Behandlungstrauma“ sein (meine Formulierung, stammt nicht vom Arzt)
    Oder vertag sich die Behandlung nur und ich renne mit einem Bakterienherd durch die Gegend, der nur darauf wartet, wieder zuzuschlagen oder Schlimmeres anzustellen?
    Ach ja …
    Die Wurzelbehandlung ist mindestens 10 Jahre her, wahrscheinlich länger, lieber eine Revision anregen?

    Besten Dank und viele Grüße
    Marcus

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