CMD … und das Wissen dazu ist begrenzt

Lesen Sie dazu auch die Artikel Wieder einer für die CMD Jungs: der Silvesterbiss und  immer Kopfschmerzen (rechte Gesichtshälfte   aus der Rubrik Wirklich CMD?

 

Übersetzung des Einführungstextes des Artikels „Functional magnetic resonance imaging of temporomandibular joint disorders“ von Eberhard, Bantleon, Steger , Wien 2000

Störungen des Kiefergelenk/Mund Systems haben vielfältige Ursachen (Laskin, 1969). Zwischen 35% und 72% aller Menschen zeigen Symptome von Kiefergelenkserkrankungen, mit einem Schwerpunkt bei Frauen im Alter von 20 bis 35 Jahren (Schiffmann und Fricton, 1988; Mohlin et.al. 1991). Das wird unterstrichen durch klinische Forschungen, in denen ein Verhältnis von Frauen zu Männern, die Behandlung suchten, von 3:1 bis 9:1 gefunden wurde (Hansson und Nilner, 1975). Im Gegensatz dazu haben systematische Untersuchungen von reinen Kiefergelenkserkrankungen keinen Unterschied in der Geschlechts- und Altersverteilung gefunden (Helkimo 1974; Rieder 1983)

Die innere Umänderung (internal derangement) im Kiefergelenk ist eine fortschreitende abbauende Erkrankung mit sichtbaren und strukturellen Änderungen des Gelenks und der verbundenen Anatomie. Die normale anatomische Beziehung der Gelenkteil ändert sich (Schellhase, 1989; Wilkes 1989). Andere Autoren haben ermittel, dass die Gelenkserkrankung nicht immer fortschreitet (Dijkstra et al. 1993; de Leeuw et.al. 1993). Wie auch immer, es gibt verschiedene Meinungen zum Verlauf einer TMD (Temporo Mandibular Disorder, was hier ungefähr dem deutschen CMD entspricht. Anmerkung Joachim Wagner) und das Wissen dazu ist begrenzt (Stegenga et al 1989; Rendolpf et al 1990)

 


Kabarettreif ist dieser Text, den sich die Wiener Radiologentruppe um Prof. Eberhard als Einführung zu ihrem wissenschaftlichen Artikel über die Abbildung von Kiefergelenken im Jahr 2000 hat einfallen lassen. Da sollen 70% der Menschheit kiefergelenkserkrankt sein, aber von 10 Behandlungswilligen sind 9 weiblichen Geschlechts. Dazu passt, dass Helkimo in Schweden gar keine Unterschiede in den Gelenken von Männern und Frauen findet . Und dann sollen die Gelenke  auch immer kaputter gehen, aber in Holland ist das nicht so, sagen Dijkstra und de Leeuw. Wie auch immer, es gibt verschiedene Meinungen zum Verlauf einer TMD und das Wissen dazu ist begrenzt.

Unnachahmlich, wie der Österreicher die komplizierte Situation auf den Punkt bringt. Immerhin wirft der Artikel die richtigen Fragen auf. Fragen, deren Beantwortung auch im Jahr 2008 nicht überzeugend gelingt:

 

1. 70% der Bevölkerung soll Symptome von Kiefergelenkssymptomen zeigen. Wann stellen die CMD "Experten" endlich mal klar, was der Unterschied zwischen Befunden und tatsächlichem Erkranktsein ist?

2. Dr. Helkimo – immerhin der Erfinder des Helkimo Indexes – sagt, dass die Kiefergelenke von Männer und Frauen sich kiefergelenkstechnisch nicht unterscheiden. Das paßt aber überhaupt nicht zur beobachteten Schmerzhäufigkeit. Warum?

3. Es ist jetzt geklärt, dass 25% bis 50% aller "Gesunden", das sind alle Schmerzfreien, eindeutige Befunde im Kernspinbilder vom Kiefergelenk aufweisen. Was sagt diese Tatsache über die Eigenschaft "Befund im Kiefergelenk im Kernspinbild" aus?

 

Nun, die dahinter stehende Logik Aufgabe ist nicht unüberwindlich. Aus den bekannten Fakten lassen sich einige Arbeitshypothesen herausköcheln:

  • Die sogenannten Kiefergelenkserkrankungen – in Deutschland mit "CMD" bezeichnet – sind in der Mehrzahl keine echten Kiefergelenkserkrankrungen, sondern Schmerzzustände von Frauen mit Neuropathien des Trigeminus.
  • Befunde im Kiefergelenk sind eher zufällig und sagen wenig über die Schmerzen und die weitere Entwicklung aus.
  • Eine ausufernde Diagnostik mit "Funktionsanalyse", Muskelbefundung und aufwändiger Röntgen- und MRT Bilderfassung geht in mindestens 60% aller "CMD" Fälle am wirklichen Problem sagenhaft weit vorbei. 

3 Replies to “CMD … und das Wissen dazu ist begrenzt”

  1. RE: CMD … und das Wissen dazu ist begrenzt
    Hallo Herr Wagner,
    ich habe Ihre Website vor ein paar Tagen gelesen und bin ganz begeistert. Mein Sohn ist 5 und bei ihm soll lt. Kinderzahnarzt beide Backenzähne gezogen werden, die beide tot and angebohrt sind und gegenüber der andere Backenzahn soll wurzelbehandelt und eine Stahlkrone bekommen. Desweiteren Füllungen. Der Termin ist am 27.01.10 ich soll mich aber diese woche noch entscheiden, da ich der zahnärztin gesagt, dass ich eventuell absagen möchte. Bitte um baldige Antwort was ich machen kann um eine Alternative zu dieser Behandlung finden kann, denn die Ärztin (jung) ist zu keinem kompromiss bereit und sehr selbstsicher. Vielen Dank im voraus und viele Grüsse
    Eda

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