Depression macht auch chronische Schmerzen

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chrschmmdd0.jpgOriginaltitel:

Comorbid Depression, Chronic Pain, and Disability in Primary Care

Autoren:
Bruce A. Arnow, PhD, Enid M. Hunkeler, MA, Christine M. Blasey, PhD, Janelle Lee, DrPH, Michael J. Constantino, PhD, Bruce Fireman, MA, Helena C. Kraemer, PhD, Robin Dea, MD, Rebecca Robinson, MS and Chris Hayward, MD, MPH

Institut: 

Department of Psychiatry and Behavioral Sciences (B.A.A., C.M.B., M.J.C., H.C.K., C.H.), Stanford University School of Medicine, Department of Psychiatry and Behavioral Sciences, Stanford, California; Kaiser Permanente Division of Research (E.M.H., J.L., B.F., R.D.), Oakland, California; and Eli Lilly & Company, Indianapolis, Indiana (R.R.).
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 Die vorstehende Arbeit ist im Volltext – natürlich auf englisch – hier nachzulesen . In der oberen Abbildung sind die Farben erklärt:

grün = ohne Schmerzen in %

grau = mit chronischen Schmerzen in %

blau = mit chronischen behindernden Schmerzen in % 

Die untere Abbildung gibt die Verteilung dieser Schmerzangaben auf die 2 untersuchten Patientengruppen mit und ohne MDD (= Major Depresive Disorder = Depression) wieder. Von den 5808 ausgewerteten Fällen hatten 413 (7.1%) Patienten eine MDD (starke Depression), davon 2/3 Frauen. Von diesen 413 MDD-Fällen hatten 41,2 % der Betroffenen zusätzlich zur Depression auch starke (behindernde) chronische Schmerzen. Im Fachjargon heißt dieser Zustand einer Doppelerkrankung „komorbid“. Umgekehrt gilt auch: wer keine Depression hat, hat auch in 89,6% der Fälle keine starken chronischen Schmerzen. Alles oder nichts, so ist die Krankheit leider verteilt. 

Daraus kann die statistische Wahrscheinlichkeit errechnet werden, ob dieses Ergebnis zufällig zustande gekommen sein kann. Das ist – ganz klar – nicht der Fall. Die Kennzahlen sind: odds ratio [OR] = 5.4, p < .0001. Die letztere Zahl besagt, dass das Messergebnis hochsignifikant auf eine systematische Eigenschaft von MDD Patienten hindeutet. "Hochsignifikant" ist im wissenschaftlichen Bereich so eindeutig, dass nur noch eine Serie ganz groben Verfahrens- und Statistikfehlern das Ergebnis in Frage stellen kann. Zum Vergleich: viele insbesondere experimentelle Untersuchungen sind glücklich, wenn sie ein p < .01 zustande bringen.

Jetzt kommt die philosophische Frage, warum hängt die Depression mit chronischen Schmerzen offensichtlich so stark gekoppelt aneinander?  Darüber schweigt sich die Studie aus, denn sie ist eine reine Datenerfassungsstudie auf der Grundlage von 12.000 verschickten Fragebögen an die Kunden einer Krankenversicherung. Die Untersuchung ist relativ neu – von 2006 und soweit zu erkennen auch in Übereinstimmung mit den bisher vorhandenen Daten früherer Erhebungen. 

Fazit: Ganz unabhängig von Begründungen muss als Tatsache zur Kenntnis genommen werden, dass MDD (= Depression) Patienten in der Mehrzahl doppelt bestraft werden: mit der Depression und (starken) chronischen Schmerzen. Überzufällig häufig betroffen sind Frauen.  Aber wer hat behauptet, Gesundheit würde gerecht verteilt?

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