Ein richtiger Kiefergelenks-Fall

Lesen Sie auch die Artikel  Kiefergelenke werden nur bei Frauen operiert und One for the tmj-Gurus = Einer für die CMD Zampanos aus der Rubrik  Biss, Knirschen und ‚Funktion‘

sany0019-1.jpgDas ich das noch erleben darf. Heute kommt ein  59-jähriger Patient zu mir, der zuletzt 2003 in meiner Praxis gesehen wurde. Er wüßte auch nicht, ob er hier richtig sei, vom Hausarzt wollte er zum  Kieferorthopäden (!) überwiesen werden. Der Hausarzt habe aber auf dem Zahnarzt bestanden. Seine Krankengeschichte schildert er so:

 

  • starke Schmerzen beim Öffnen des Mundes rechts seit 3 Tagen. *)
  • Nachts besonders stark. Auf der Skala VAS (Visuelle Analog Skala) 0 bis 10 etwa die 8.
  • Beginn der Schmerzen vor mehr als 2 Wochen
  • Gefühl, als wäre jetzt die ganze Gesichtsseite betroffen und wie betäubt
  • Schwellung rechts vor dem Ohr und Einrasteffekt des Kiefers bei der Mundöffnung.

Auf meine gezielte Nachfrage kann sich der Patient auch erinnern, dass das Daumengrundgelenk der linken Hand vor wenigen Jahren auch eine sehr schmerzhafte Episode hatte.  Der zuerst aufgesuchte Hausarzt verschrieb ein Schmerzmittel, dessen Zusammensetzung noch geklärt wird. Das Mittel wirkt offenbar wenig.
sany0020-1.jpg

Dazu hat der Kollege eine Rotlichtbestrahlung verordnet, die dem Patienten laut eigener Auskunft nicht weiterhilft.

 

Ist das die berühmte CMD?

Antwort: Eigentlich ja. Im strengen Wortsinne haben wir hier endlich das, was CMD aussagt, also die cranio – mandibuläre – Dysfunktion = das Kiefergelenk hat eine Macke, vorliegen. Konkret ist das hier eine CMD; denkt der einfache Mensch mit medizinischer Halbbildung. Dieser Patient hat im rechten Kiefergelenk eine akute und fette Entzündung. Das tut richtig weh, ist geschwollen und treibt ihn zu den Ärzten (Mehrzahl), weil die Schmerzen nachts kaum zu ertragen sind und er den Mund kaum noch aufmachen kann.

 Das diagnostische Problem dabei ist natürlich: für die CMD „Experten“ ist dieser Fall gerade keine CMD. Wie das? Hier liegt eine astreine Arthritis, eine Gelenkentzündung zunächst unbekannter Ursache, vor. Das ist eine zu spezifische Diagnose, die die CMD Yogies gerade nicht interessiert, weil es zu offensichtlich nichts mit ihrem Lieblingsthema Funktionsdiagnostik und Okklusion zu tun hat. 

Vermutlich leidet dieser Patient entweder unter einer Autoimmunerkrankung, die Gelenke allgemein zerstört, z.B. Rheuma, oder einer unbekannten Infektion. Jedenfalls ist sonnenklar, dass die Behandlung des dicken Gelenks vermutlich mit Cortison und ähnlichen Pharmazeutika halbwegs effektiv verlaufen wird, im Gegensatz zu Einschleifmaßnahmen am Gebiss.

Kommentar: Was bitte soll CMD eigentlich sein, wenn ausgerechnet die Funktionsbehinderung des Kiefers (hier das Öffnen) in einer akuten Arthritis nicht unter CMD laufen soll? CMD ist eine Pappnasen Diagnose. 

*) Das Öffnen des Mundes verursacht eine starke Ausbeulung im Bereich des rechten Kiefergelenks. Davon existiert auch ein Video von heute. Bei Interesse: za-wagner@telelev.net 

Kommentar verfassen