SOS – mittlerer Schneidezahn abgebrochen

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Hier kommt ein Quickie: der langjährige Patient Herr R. (73) erscheint unangemeldet mit einem auf Zahnfleischniveau abgebrochenen mittleren oberen Schneidezahn

sany0014-1.jpg Unser Leicht- bis Mittelknirscher hat seinen mittleren Schneidezahn vermutlich durch den Mechanismus der Materialermüdung abgeknackst. 
 sany0012-1.jpg  Den Bruch mit ermöglicht haben auch die beiden Aufbaufüllungen, von denen die rötliche (im Bild links) auch sicher undicht zum Wurzeldentin war. Trotzdem muss festgehalten werden, dass hier – wieder einmal – der halbe Zahnquerschnitt im noch gesunden Dentin schlichtweg horizontal durchgebrochen wurde.
 sany0027.jpg  Sofort präpariere ich mit einem flammenförmigen Diamantschleifer mit feiner Körnung aus dem noch vorhandenen Rest eine Zylinderform. Der Kronenrand befindet sich anschließend ganz tief im Zahnfleisch, praktisch auf Knochenniveau, wie auf den Modellfotos zu erahnen ist.
 sany0028.jpg Ich nutze also den sogenannten Faßreifeneffekt zur soliden Verankerung der neuen Krone auf dem Reststumpf. Die neue Krone umgreift den parallelwandig geschliffenen Reststumpf auf einer Höhe von mindestens 3 mm. Das ist der Trick.
 sany0025.jpg  Man erahnt die Zylinderpassung. Für die Kollegen: Das ist ein Tangentialschliff mit ganz sicher auch untersich gehenden Stellen.
 sany0024-1.jpg  An dieser Stelle noch einmal zum Mitschreiben: im auf Zahnfleischhöhe abgebrochenen Reststumpf des 21 befindet sich KEIN Stift, weder aus Metall, noch aus Kunststoff. Bei der weißen kleinen Haube, die auf der Aufnahme zu sehen ist, handelt es sich um eine maximal 2 mm hohe Glasionomerzement Aufbaufüllung, die nur den Sinn hat, die scharfen Kanten des abgebrochenen Stumpfes abzurunden.
 sany0023-1.jpg  Das Einbauen der Krone ist ein Nobrainer = das kann der Lehrling.

Warum habe ich mich gegen einen Stift entschieden? Aus mehreren Gründen:

  • Stifte verursachen bei Knirschern Wurzelrisse, Stiftbrüche und Dezementierungen der Stifte, das ist bekannt aus Langzeitbeobachtungen
  • Stifte „verstärken“ die Wurzel optisch für den Behandler, das führt zu unterdimensionierter Randgestaltung beim Schleifen
  • Stifte erschweren eine Revision der Wurzelbehandlung ganz erheblich

Die hier gezeigte Methode ist langzeiterprobt. Sie funktioniert bei Leicht- bis Mittelknirschern sehr zuverlässig, allerdings nicht so bei Hardcore Knirschern.    Und liebe Kolleginnen und Kollegen, bevor Sie sich jetzt erregen über die nicht „artgerechte“ Randgestaltung, darf ich folgendes zu bedenken geben. Was wäre die Alternative zur Tiefpräparation? Sie glauben allen Ernstes noch an Stifte und Hohlkehlpräparationen in Fällen, in denen Ihnen der Knirscher den eigenen Zahn weggeknackt hat? Dann wünsche ich viel Glück. Wenn Sie, wie ich, 22 Jahre ihre Arbeiten verfolgt haben, glauben Sie diesbezüglich nicht mehr an den Weihnachtsmann. Alternativ steht selbstverständlich auch die Extraktionszange zur Verfügung und nachfolgend das Implantat mit Krönchen zum geschätzten Angebotspreis von 1.500 €. Natürlich. Das aber ist deutlich mehr Aufwand, vom kosmetischen Endergebnis nicht immer vorhersagbar und letztlich eine Kapitulationserklärung: „ich krieg auf dem Stumpf nichts mehr langfristig fest“. Und deshalb gestattet sich der Autor hier Joachim Wagner den untersichgehenden Knochenschliff.

2 Replies to “SOS – mittlerer Schneidezahn abgebrochen”

  1. Abgebrochener Stiftzahn!!!!!
    Hallo, ich brauche dringend Hilfe. Heute morgen ist mir meine Krone samt Stift herrausgebrochen.
    War dann schnell beim Notdienst, da ja heute Samstag ist und der hat mir gesagt, das man diesen Schneidezahn wahrscheinlich nicht mehr erhalten kann. Ich müßte wohl damit rechnen das mein Zahnarzt am Montag ihn entfernen müßte, da man den Stift nicht mehr herraus bekommt. Da ich aber ungerne auf eine Brücke zurück greifen möchte, brauche ich dringend einen super TIP. Dazu kommt noch das ich die Krone gerade erst seit ca.2 Jahren habe.

  2. RE: SOS – mittlerer Schneidezahn abgebrochen
    Hallo Herr Wagner,

    angenommen der Patient wäre kein Knirscher, wo liegt dann die größte Gefahr für eine solche Krone/ den Zahn ? Ein so tief subgingival liegender Kronenrand dürfte doch nicht so anfällig für Karies sein, oder sehe ich das falsch ?

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