Down Under steht nicht auf Homöopathie

Lesen Sie dazu die Artikel  Neues ist schwer   und Glas Ionomer Zement kann ein Kunststück   aus der Rubrik Betrifft Patienten

 

Der folgende Artikel entstammt der Feder von  Peter Bowditch und erschien in der Juni 2001 Ausgabe des The Skeptic, das Journal der Australian Skeptics

Den englischen Originaltext finden Sie hier .

Sie werden einen erfrischend freien Blick auf eine sehr spezielle deutsche "Errungenschaft" von einem Mediziner aus Australien lesen. Für die, die das nicht wissen: die Homöopathie ist ein deutschsprachiges Sondergewächs, das zwar fleissig missioniert, aber seine Hauptkunden immer noch im engeren deutschsprachigen Gebiet (D-A-CH) hat. Alle englisch beeinflussten Länder haben fast keine homöopathische Tradition und Australien ganz besonders nicht. Der durchschnittliche Australier liest diesen Artikel also deutlich weniger aufgebracht, als unsereins …


 

aussi.gifHomöopathie – alle Idiotie, die geht

Von allen Dinge, die sich "alternative Medizin" nennen muss die Homöopathie die lächerlichste sein. Sie ist noch dümmer als die Irisdiagnose.

Für diejenigen, die sich mit dem Ursprung und den Prinzipien der Homöopathie nicht auskennen: sie wurde erfunden im späten 18. Jahrhundert von Samuel Hahnemann. Sie hatte nicht weniger Erfolg als die konventionelle Medizin der damaligen Zeit und rettete vermutlich das Leben vieler Menschen, einfach dadurch, dass sich die Patienten besser von vielen Krankheiten erholten ohne Eingriff. Durch Nichtstun konnten so (was genau das ist, was die Homöopathie tut) oft bessere Ergebnisse gezeigt werden als durch Aderlass, Einlauf, Kauterisierung und Amputation. Der Unterschied ist, dass die Medizin sich weiterentwickelt hat und solche Sachen nicht mehr macht, oder sie anders macht und aus anderen Gründen

Die Homöopathie verläßt sich immer noch auf die Prinzipien bei ihrer Erfindung. Ein solches Prinzip ist das Gesetz der Ähnlichkeit, welches besagt, dass ein Mittel, das Symptome bei hohen Dosierungen produziert, brauchbar ist um Krankheiten zu behandeln mit diesen Symptomen. Um herauszufinden, was alles dafür in Frage kommt, werden viele Sachen "geprüft" in steigender Dosierung, bis eine Reaktion zu sehen ist. Diese Reaktion wird notiert und wenn ein Patient mit den gleichen Erscheinungen vorstellig wird, kann der Homöopath ein Präparat der gefundenen Substanz einsetzen um das Problem zu kurieren. Jalapeno Pfeffer könnte ein Kandidat gegen starkes Schwitzen sein und Katzenhaare haben Potential als Behandlungsmittel gegen Heufieber. Dementsprechend würde Cyanid eine brauchbare Behandlung gegen den Tod abgeben.

Um das offensichtliche Problem zu umgehen, wird ein zweites Prinzip aufgerufen: das Gesetz der Potenzen. Dieses besagt, dass je mehr eine Substanz verdünnt wird, um so besser wird sie gegen die "geprüften" Symptome wirken. Zwei Sorten von Verdünnung sind im Gebrauch – X und C. Um eine X Verdünnung herzustellen, nehmen Sie ein Zehntel von der Stammlösung und 9 Teile Lösungsmittel. Um eine 10X Lösung herzustellen, wird der Verdünnungsprozess 10 mal ausgeführt, jedes mal mit einem Zehntel der vorhergehenden Mischung und 9 Zehntel Verdünnung. Bei jeder Stufe wird die Mischung in einer bestimmten Weise geschüttelt. Manchmal erfordert dieser Vorgang, dass der Behälter auf ein bestimmtes Objekt z.B. ledergebundenes Buch schnell aufgesetzt wird. Verdünnungen können hergestellt werden mit 6X, 10X etc. Viel stärkere Verdünnungen können mit der C Methode zubereitet werden, dabei beträgt die Verdünnung 1 zu 100. Ich habe auch von der M Verdünnung gehört, wo der Faktor Eintausend ist, aber ich nehme an, dass so etwas nur durch sehr erfahrene Laboratorien bewältigt werden kann.

Die Torheit der traditionellen Homöopathie kann selbst dem einfachsten Gemüt gezeigt werden, eine Tatsache, die diejenigen nicht abzuschrecken scheint mit Gemütern unterhalb des Levels "einfachst". Als Beispiel hat mir kürzlich jemand vorgeschlagen, die Einnahme von 5 Gramm Calcium könnte auch in Form von einer homöopathischen 6X Potenz vorgenommen werden um die eine oder andere Sache zu behandeln. Eine einfache Rechnung zeigt, was das für den Patienten bedeutet: er müßte 49.995 kg Lactose pro Tag einnehmen, um die empfohlene Menge an Calcium zu bekommen. Das Gewicht der Tabletten würde nicht auf Ihren durchschnittlichen Sattelschlepper passen und deshalb 2 Lastwagenladungen an Pillen pro Tag benötigen. Jeden Tag. (Die gleiche Person sagte auch, dass eine 30X Potenz so stark wirksam sei, dass sie nur eingenommen werden sollte unter der Aufsicht eines voll qualifizierten Homöopathen. Um 5 Gramm aus einer 30X Verdünnung zu bekommen, würde das tägliche Gewicht der Tabletten knapp unter der Masse der Erde liegen. Jeden Tag.)
 

Angesichts dieser Lage, in der die Wahl besteht zwischen dem Essen des Gewichtes von 40 Kleinwagen pro Tag, Trinken einer Menge von Flüssigkeit im Umfang von 1 1/2 Erdöl Tankern oder dem Einnehmen einer handhabbaren Menge an Medizin, die keine mehr irgendwie messbare Menge an wirksamer Substanz enthalten kann, haben die Homöopathen verzweifelt nach einer Lösung des Dilemmas gesucht. Womit sie heraus kamen, war das "Gedächtnis des Wassers". Ich nehme an, Lactose hat ein ähnliches Gedächtnis, aber niemand scheint darüber zu reden. Das Voodoo  "Gedächtnis des Wassers" sagt, dass Wasser Dinge erinnern kann, mit dem es in Kontakt war, auch dann, wenn alle Spuren der Substanz entfernt worden sind.

Merkwürdigerweise merkt es sich aber nicht die Flaschen oder die Harnblasen, in denen es aufbewahrt war, oder die Chemikalien, mit denen es mit seinen Molekülen in Kontakt gewesen sein kann, oder den anderen Inhalt der Abflussrohre, in dem es irgendwann gewesen sein kann, oder die kosmische Strahlung, die durch es hindurch geballert ist. Es merkt sich nur das eine Ding, das die "Forscher" möchten, dass es sich merkt. Und dann erzählen sie uns, dass sie diese Erinnerung durch Email verschicken können, aber das ist eine Story für ein anderes Mal.

Wasser hat eine große Menge an speziellen chemischen und physikalischen Eigenschaften, die sonst keine Substanz zu haben scheint. Die Moleküle in flüssigem Wasser sind ständig am Gruppieren und Auflösen, Kombinieren und Rekombinieren in kleinen Kristallen und Mustern. Das hat viel zu tun mit dem, wie das Leben auf der Erde aussieht und warum Wasser absolut notwendig für das Leben ist. Es hat auch viel damit zu tun, warum Wasser ein nahezu universelles Lösungsmittel darstellt. Womit es nichts zu tun hat, ist die Idiotie der Homöopathie. Homöopathen haben den "Wassergedächtnis" Unsinn eingeführt als Versuch dem Desaster entgegen zu wirken, das eintritt, wenn jeder, der denken kann, über die Konsequenzen der Endlos Verdünnung nachdenkt. Um zu erklären, wie etwas weiterfunktionieren kann, obwohl alle Moleküle verschwunden sind, war es notwendig, das Konzept "Wassergedächtnis" zu erfinden.

Trotz schwerer logischer, philosophischer und wissenschaftlicher Gründe, warum das "Wassergedächtnis" eine luftleere Idee ist und trotz der Tatsache, dass niemand bis heute mit einem halbwegs brauchbaren Weg zum Testen des Konzepts aufgetreten ist, haben die Homöopathen es einfach in seine Existenz hinein geredet. Und jetzt greifen sie die ulkige Weise, mit der Wassermoleküle zusammen reagieren auf, und sagen: "schau, einige dieser kurzzeitigen Strukturen kann für Moleküle codieren, die sie vorher gesehen haben". Das echte Problem für sie ist, dass selbst wenn das "Wassergedächtnis" möglich wäre und auch als funktionierend gezeigt werden könnte, es die Homöopathie kein bißchen weniger lächerlich machen würde. Schauen Sie, Homöopathen gehen hin und behaupten, dass sie selektiv kontrollieren können, was das Wasser erinnert. Wir haben also die Situation, dass sie Unmögliches tun wollen mit etwas, das von vornherein gar nicht existiert.

Laßt uns einen Blick auf die Herstellung einer typischen homöopathischen Arznei werfen. Ich habe zufällig eine Behandlung gegen Cholera gewählt, die einfach aus einer 30X Potenz von menschlichen Exkrementen bestehen soll. Ich will Sie nicht mit der Prozedur langweilen, weil diese nur aus aufeinanderfolgenden Verdünnungs- und Schüttelschritten besteht. Es ist das Endprodukt, dass uns interessiert. Wie stellt der Verdünner sicher, dass nur die Exkremente erinnert werden und sonst nichts? Sie haben oben gelesen, dass ich erwähnte, dass Wasser praktisch ein Universal Lösungsmittel ist. Wie wurde bei der Verdünnungsarbeit die Möglichkeit ausgeschlossen, dass das Wasser andere nicht-exkrementale Moleküle, mit dem es in Kontakt gekommen ist, erinnert? Zum Beispiel, wenn es stattdessen die Moleküle des Glas Behälters erinnert, könnten wir mit einer Arznei gegen Silikose enden. Und wenn der Verarbeiter durch den Mund geatmet hat und die Luft über dem Zubereitungs Behälter würde kontaminiert mit Quecksilber Dampf von den Füllungen. Davon könnte sich etwas im Wasser lösen und dann könnten wir mit einer Arznei herauskommen gegen …… (Tragen Sie hier ein, was Quecksilber in Füllungen diese Woche verursacht)

Wenn er raucht, könnten wir ein Gegenmittel zu Lungenkrebs bekommen. Wenn etwas Stickstoff aus dem Labor in das Wasser gelangt ist, könnte ein Mittel gegen Gicht herauskommen und ein kleines Teilchen Asbest von einer nahegelegenen Abbruch Baustelle könnte erinnert werden und dadurch eine Behandlung für Mesiothelioma (Lungenkrebs, Anmerkung des Übersetzers Joachim Wagner) hergestellt worden sein. Das alles würde der armen Person, die da draußen sitzt und auf die Arznei für Durchfall wartet (ja, manchmal sitzend, manchmal rennend um woanders zu sitzen) nichts nützen.
Wenn es morgen überzeugend gezeigt werden könnte, dass Wasser molekulare Strukturen in Beziehung zu anderen Molekülen, die irgendwann nahe an dem Wasser waren, behalten kann, auch dann wäre die Homöopathie immer noch ein alter stinkender Klepper. Und auch das Verdünnen um den Faktor von 1,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000 würde ihn weder kräftiger noch weniger stinkend machen.

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