Diagnose Werkzeug für die Kiefergelenkskranken

Lesen Sie auch die Artikel  Trigeminale Neuropathische Schmerzen machen Ausdünnungen im Hirn  und  CMD Behandlung in Wirklichkeit

 

Zahnmediziner reagieren bei Verdacht auf TMD (= Temporo Mandibular Disorder, auf deutsch: Schmerzen in der Nähe des Kiefergelenks) ziemlich vorhersagbar: zuerst gibt es die Kassen-Schiene, und danach bei den vorsichtigen Kollegen eine Überweisung zu angeblich kompetenteren Kieferorthopäden (ist wirklich so, der Himmel alleine weiß, warum ausgerechnet die KFOten auserwählt werden), oder der Behandler hat einige Fortbildungen besucht und möchte sein Wissen nun in Form von 800er Positionen in der Gebührenordnung der Zahnärzte (GOZ) gewinnbringend einsetzen.

Die 800er Positionen beruhen auf der schlichten Annahme, dass grundsätzlich mechanische Faktoren verantwortlich sind für die TMD. Für die Schmerzen sind angeblich ursächlich: Vor-, Früh- oder Spätkontakte, Störungen der RKP und IKP, ebenso der Vor- Seit und Rückbewegung des Unterkiefers, ganz zu schweigen von den Gelenkscheiben … Gemessen werden diese Abweichungen mit verschiedenen Handwerkermethoden und können dann ganz prima mit 800er GOZ Positionen berechnet werden. Bon. Jetzt kommt die entscheidende Frage: wird diese Schieblehre-Zahnmedizin wirklich dem biologischen Phänomen TMD halbwegs gerecht? Reicht es wirklich aus, bunte Punkte mit Colorpapier auf die Gegenkieferzähne beissen zu lassen und anschließend daran herumzuschleifen in der Hoffnung, dass das mehr nützt als schadet?

Wahrscheinlich nicht. Wir wissen seit Jahren bereits aus der Forschung, dass mindestens die Hälfte aller TMD Fälle kein wirkliches Zahn/Kiefer/Gelenk/Muskel Problem hat, sondern nur den Schmerz in der Gegend. Weiter wissen wir, dass Frauen im Verhältnis 4 zu 1 stärker betroffen sind, was bei der bisher immer behaupteten Zahnursache gar nicht sein dürfte. Und wir wissen, dass ein beträchtlicher Teil von TMD-Patientinnen gut auf die Kombination Amitryptilin (TCA=Tricyclisches Antidepressivum) und Verhaltenstherapie reagiert, nicht aber auf das Abschleifen von angeblichen „Vorkontakten“.Und um diese Patienten zu erkennen, brauchen wir völlig andere Diagnose Werkzeuge. Damit ist gemeint:

  1. eine visuelle Analogskala für die Schmerzstärke (VAS), damit der Behandler sich besser in den Patienten hineindenken kann. Sehr oft glauben die Behandler, dass die Pat. den Schmerz übertrieben darstellen. Sieht man aber schwarz auf weiß, dass der Pat. den „stärksten vorstellbaren Schmerz“ ankreuzt, dann wirkt das glaubhafter.
  2. ein Schmerztagebuch. Darin läßt sich beispielsweise ablesen, dass der Schmerz mit dem Ovulationszyklus syncron läuft, oder dass nachts erstaunlicherweise der Schmerz verschwindet.
  3. eine standardisierte Depressionsskala . Gerade diese ist wichtig, weil eine große Untergruppe von TMD Patienten unter Depression leidet. Oft ist die Depression noch gar nicht erkannt worden, oder wird nicht behandelt. Und wird die Depression erfolgreich angegangen, dann entschärft sich die TMD Problematik in der Regel von alleine.

Kommentar verfassen