Die geschmähte Ringbanddeckelkrone funktioniert besser

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Die Zahnmedizin hat für mindestens 70% ihres gesamten Leistungsangebotes keine Evidenz auf einigermaßen vertretbaren Niveau (Evidenzgrad besser als 2). Was sich für den ein oder anderen Laien wie Spanisch anhört, bedeutet konkret für ihn: noch nicht einmal ein Drittel aller täglich durchgeführten Maßnahmen in der Zahnmedizin sind durch gut durchdachte Versuche auf ihre Wirksamkeit und Effektivität geprüft worden. Ein Beispiel: es gibt so gut wie keine hochwertigen Studien, die das Anfertigen von Kunststoff Schienen bei Schmerzen um das Ohr herum mit anderen Maßnahmen, z.B. Placebo vergleichen (stimmt nicht ganz genau, es gibt 1 bis 2 davon, die widersprechen prompt auch den 150 + x älteren unzulässig vereinfacht durchgeführten Fallstudien). Ich erzähle hier keinen Unsinn. Prüfen Sie diesen Mißstand gerne selber nach. Es gibt auch keine Studien, die auf aktzeptablen Niveau zeigen, dass Zahnersatz für seinen Träger auf die lange Sicht mehr Vorteile als Nachteile bringt, besonders im nichtsichtbaren Bereich. Genausowenig existieren handwerklich ordentliche Studien zur Frage, ob die sogenannte Ringbanddeckelkrone tatsächlich schlecht ist für den Zahn und den dazugehörenden Menschen, vor allem im Vergleich zu den heute als Standard betrachteten Hohlkehl Form Kronen.

 

 

Unser Patient hier ist jetzt 77 Jahre alt und hat diese Schmuckstücke auf den Zähnen 12 – 16 vor ganz vielen Jahren, nämlich in den 60-zigern eingesetzt bekommen. Wir reden also von mindestens 40 Jahren Dauernutzung.  sany0078.jpg
 Beachten Sie auf diesem Bild: a) die Trennung der Brücke mittendrin zwischen 14 und 13, b) die eher glattgebügelten Kauflächen und c) die typische Zylinderform der Kronen.  sany0084.jpg
 Von anatomischer Gestaltung kann hier keine Rede sein. Das vordere Brückenglied 12 ist tief verblockt am 13 festgelötet, das Zahnfleisch sieht seit Jahrenden nicht ganz richtig aus, gleich kommt aber das "aber".  sany0081.jpg
 Benutzt man die PA (Parodontal) Sonde zur Bestimmung der Taschentiefe, dann ergibt sich mit leichter Gewalt eine Tiefe von 4 mm.  sany0080.jpg
 Das Gleiche auch am letzten Pfeiler von vorne gemessen. Mit Ach und Krach sind 4 mm darstellbar, mehr nicht. Für unsere Nichtfachleute: das bedeutet, dass der Patient bisher keinen Knochenschwund erlebt hat. Auch wenn das Zahnfleisch aussieht wie nach einem Bombeneinschlag, hier liegt gerade mal eine Gingivitis vor, keine Parodontitis.  sany0082.jpg
 Auf dem Röntgenbild ist der hintere Pfeiler 16 in der Mitte zu sehen, und nach rechts die verblockte (angelötete) Krone 15.Die Kronenränder sind geometrisch gut kreisförmig geformt und stehen meilenweit vom Zahn ab, was auf dem Bild nicht so deutlich zu erkennen ist. Macht man sich die Herstellungsweise dieser Kronenform klar, (ein Ring aus Goldblech wird zusammengelötet, darauf ein Deckel gegossen), dann kann man sich etwas in die Situation am Kronenrand hineindenken.  ringband.jpg

 

Und jetzt kommen die spannenden Fragen:

  1. Warum hat es hier in 40 Jahren dauernder Zahnfleischentzündung durch abstehende Kronenränder offensichtlich keinen Knochenabbau gegeben?
  2. Ist es reiner Zufall, dass die Ringbanddeckelkronen so lange funktioniert haben und es immer noch tun?
  3. Hat sich der Behandler vor 40 Jahren einfach nur beim Laborauftrag vertan, oder hat es einen tieferen Sinn, dass zwischen 13 und 14 die Brücke einfach getrennt ist?
  4. Wer von den hier mitlesenden Kollegen/innen glaubt, dass eine vergleichbare Konstruktion mit Hohlkehlpräparation auch 40 Jahre ohne Komplikation (Wurzelbehandlung, Dezementierung, Karies) durchgehalten hätte?

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