Und wieder ein Brückenpfeiler hingerichtet

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Der Zahn ist hin. Die Brücke von 44 auf 47 ist daran schuld. Genauer gesagt, der in den 47 reingeschliffene 30 Grad Kegelwinkel ist schuld am vermatschten Zustand des 47. Unbemerkt vom Patienten hat sich die Zementierung unter dem hinteren Brückenanker gelöst und der entstandene Spalt sorgt für den fatalen Speichelsaug- und Pumpeffekt. Der zerstört den Zahn in kürzester Zeit. Laut Patient ist die Arbeit 2 Jahre alt. Hier wurde wieder einmal ein ganz wichtiger Zahn auf dem Altar der Hohlkehl-Präparation-Ideologie geopfert. Für die Nichtfachleute: Die vorherrschende Lehrmeinung zum Design der richtigen Schleifform will es, dass

  1. in Zahnfleischhöhe eine deutliche Hohlkehle ringsum in den Zahn geschliffen werden soll.
  2. der Winkel des Kegelstumpfs (das ist der Winkel in dem die Außen- und Innenflächen des abgeschliffenen Zahns zueinander stehen) deutlich positiv sein muss = also auf keinen Fall untersichgehende Bereiche aufweisen darf.
  3. Dazu auch noch die leichte Kippung des hinteren Pfeilers nach vorne durch stärkeres Schleifen des Zahns so umgestaltet wird, dass die starre Brücke trotzdem einzusetzen ist.

Diese Forderungen an den Schliff führen regelmäßig zu unverhältnismäßig viel Opferung von Zahnsubstanz und zu übertriebenen Kegelwinkeln aus der Angst heraus, dass eventuell doch eine Fläche des Stumpfs untersichgehend sein könnte. Das hätte dann zur Folge, dass der Zahntechniker an dieser Stelle den Stumpf entsprechend ausblockt und damit ein abstehender Kronenrand produziert wird.

Und jetzt mal Klartext:
der Vorbehandler hat mit diesem Schliff den Zahn auf dem Gewissen. Allen Beteiligten inclusive des Patienten wäre mit einer millimeterweit abstehenden Ringdeckelkrone auf einem ganz wenig geschliffenem Stumpf mehr gedient gewesen. Das sieht man an Kronen aus den 50er und 60er Jahren, die einige alte Patienten noch im Mund haben. Die Dinger stehen zwar meilenweit am Zahnhals ab, halten dafür aber eine Ewigkeit.

Das lernt uns: entweder bewußt Abstriche beim Randschluss in Kauf nehmen, oder die Finger von endständigen Unterkiefer-Pfeilerzähnen lassen.

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