Angststörung „Krankheitsängste“

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krankheitsv1.jpg Links abgebildet befindet sich ein Ausschnitt aus einem wissenschaftlichen Poster mit dem Titel "Hypochondrie und Krankheitsangst bei Patienten in ambulanter Verhaltenstherapie" von den Autoren G. Bleichhardt und W. Hiller der Universität Mainz anläßlich einer Präsentation 2005 in Dresden.

 

Den beiden Wissenschaftlern geht es um die bemerkenswerte Tatsache, dass ein erheblich größerer Anteil der Bevölkerung (ca 6%) unter auffälligen Krankheitsängsten leidet, als die offizielle Definition der Fachdiagnose "Hypochondrie" nach DSM-IV hergibt (Prävalenz soll 0,5% in der Bevölkerung sein). Dabei unterscheiden die Forscher zwischen so genannten Hoch- und Niedrig- Krankheits Ängstlichen (HKÄ und NKÄ). 

 

Die Zusammenfassung kommt direkt aus dem Poster: 

 

  • Etwa ein Drittel der Patienten in ambulanter Verhaltenstherapie leidet unter hoher Krankheitsangst.
  • Von diesen erfüllt wiederum nur ein Drittel die Kriterien einer somatoformen Störung.
  • Patienten mit hoher Krankheitsangst haben zu Therapiebeginn eine deutlich höhere allgemeine psychopathologische Belastung (d<1). Ihr Krankheitsverhalten ist um etwa das doppelte erhöht.
  • Das Krankheitsverhalten ambulanter Patienten ließ sich durch Krankheitsangst besser vorhersagen als durch die Anzahl somatoformer Beschwerden!
  • Bzgl. der Mediennutzung ergibt sich ein interessanter Gegensatz: HKÄ nutzen Medien häufiger zur Beschäftigung mit Krankheiten, geben aber auch ca. 4x so häufig an, dies zu vermeiden!
  • Die Ergebnisse belegen die klinische Relevanz hoher Krankheitsangst auch unter der diagnostischen Schwelle für somatoforme Störungen!
  • Die Ergebnisse zum Krankheitsverhalten lassen vermuten, dass die durch hoch Krankheitsängstliche verursachte Gesundheitskosten die von Patienten mit multiplen somatoformen Beschwerden noch übersteigen.

  Das Ganze in verständlichem Deutsch für Nichtwissenschaftler

Die beiden (damaligen) Mainzer Wissenschaftler haben es herausgearbeitet:   wieder einmal klatscht die Theorie ( das ist hier die Einteilung psychiatrischer Störungen nach der amtlichen Tabelle DSM-IV) mit der Wirklichkeit zusammen und heraus kommt, dass ein großer Haufen der täglich durch die Praxis laufenden Patienten (mindestens 5% der Bevölkerung und mindestens 10% des täglichen Durchlaufs) mit den Theorie Mustern nicht zu fassen sind. Im DSM-IV steht der Begriff  "somatoforme Störung", was letzten Endes Schmerzen an nicht plausiblen Stellen bedeutet. Dafür ist im DSM-IV die Kategorie "Krankheitsangst" nicht vorgesehen. 

Krankheitsangst Menschen sind doppelt so oft beim Doktor wie alle anderen, haben oft eine ausgeprägte Angststörung, schauen viel und lange im Internet ihre "Krankheiten" nach, streiten aber gezielt ab, das zu tun. Der Krankheitsverlauf ist durch Angst erfassende Fragebogen besser vorherzusagen als mit allen anderen Mitteln. Und schließlich sind Hoch Krankheits Ängstliche (HKÄs) die vermutlich teuersten Patienten überhaupt.

One Reply to “Angststörung „Krankheitsängste“”

  1. RE: Angststörung „Krankheitsängste“
    Nette Studie.

    Leider sind in dem schönen Schema nicht die Patienten aufgeführt, welche am Ende doch körperlich erklärbare Symptome haben.

    Schliesslich beträgt der Anteil der ärztlichen Fehldiagnosen (ebenfalls durch wissenschaftliche Studien festgestellt) nahezu 30 Prozent.

    Wenn ich mir diese Webseite so anschaue und einige ihrer Beiträge lese, dann scheinen diese 30 Prozent bei etlichen Zahnmedizinern noch überschritten zu werden.

    Das solche Patienten ebenfalls wie die „hochkrankheitsängstlichen“ im Internet versuchen Hilfe zu bekommen liegt ja wohl auf der Hand.

    Ein wirklich guter verantwortungsvoller Arzt oder Zahnarzt ist nicht leicht zu bekommen, im Gegensatz zum Internet…

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